PREISTRÄGER 2017

Michael Schmieder, Sonnweid, Wetzikon   |   Hauptpreisträger

Michael Schmieder, Sonnweid, Wetzikon   |   Hauptpreisträger

Rede von Urs Lauffer anlässlich der Preisverleihung der Paradies-Stiftung für soziale Innovation an Michael Schmieder am 6. November 2017 in Zürich

«DEMENT, ABER NICHT BESCHEUERT»

Sehr geehrter Herr Schmieder
Sehr geehrte Familie Schmieder
Meine Damen und Herren

Wie heisst der Schweizer Pionier im Thema Demenz im Alter? Ich gebe es zu: Noch vor zwei Jahren hätte ich diese Frage nicht beantworten können. Natürlich war mir in meiner gesundheits- und sozialpolitischen Arbeit die Bedeutung der Fragen im Zusammenhang mit der Betreuung, Behandlung und Unterstützung älterer Mensch mit Demenz immer klarer geworden. In meiner politisch aktiven Zeit – gerade auch in der Sozialbehörde – habe ich erlebt, dass zahlreiche Alterseinrichtungen ihr Angebot in diese Richtung erweitert haben – meist mit erheblichen finanziellen Konsequenzen. Und natürlich habe ich im Gespräch mit meiner Schwester Theres Meierhofer, die seit langem das Alters- und Pflegeheim in Engelberg leitet, manches, oft sehr Konkretes zu diesem grossen Thema erfahren.

Aber auf das beeindruckende Lebenswerk von Michael Schmieder bin ich erst gestossen, nachdem wir uns im Stiftungsrat für die fünfte Preisverleihung der Paradies-Stiftung auf den Schwerpunkt Demenz im Alter geeinigt hatten. In meinen Gesprächen mit Menschen, die sich seit langem auf diesem Gebiet engagieren, bin ich regelmässig auf das Wirken von Herrn Schmieder in der Sonnweid in Wetzikon aufmerksam ge-macht worden. Die heute so üblichen Internetrecherchen ergaben ein ähnliches Bild – erweitert um die Erkenntnis, dass Ihre Arbeit, lieber Herr Schmieder, weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet. Zahlreiche aufschlussreiche Interviews, die bedeutende internationale Medien mit Ihnen geführt haben, machen dies deutlich. Und natürlich habe ich dann auch meine schon erwähnte Schwester befragt; sie meinte kurz und knapp, dass es eigentlich nicht möglich sei, die beispielhafte Tätigkeit von Herrn Schmieder nicht zu kennen …

Seither habe ich viel von und über Michael Schmieder gelesen. Gerade vor kurzem seine Ausführungen zur Tatsache, dass der Bewegungsdrang demenzkranker Menschen eine nicht zu vernachlässigende Herausforderung für alle darstellt, die mit ihnen zusammenleben – vor allem für die Angehörigen, aber auch für die Betreuenden in den spezialisierten Einrichtungen. Und natürlich habe ich mit grossem Gewinn das Schmieder-Buch mit dem für ihn typischen Titel «Dement, aber nicht bescheuert» gelesen, wie auch die übrigen Stiftungsratsmitglieder.

Dreissig Jahre haben Sie, sehr geehrter Herr Schmieder, zusammen mit Ihrer Gattin und Ihrer Familie die Sonnweid in Wetzikon zu einer vorbildlichen Institution auf- und ausgebaut, in der über 150 Menschen mit schwerer Demenz optimale Betreuung finden. In der Sonnweid wird keine heile Welt vorgegaukelt, sondern ein Alltag gelebt, der den Realitäten gerecht wird und die Würde der betagten Menschen, aber auch ihrer Angehörigen ernst nimmt. So wurde die Sonnweid über Zeit zu einer der europäisch führenden Einrichtung mit grosser Ausstrahlung.

Beeindruckend ist für mich, wie es Ihnen, Herr Schmieder, gelungen ist, in Ihrer langen beruflichen Tätigkeit Praxis und Theorie quasi im Gleichschritt weiterzuentwickeln. Sie gehören nicht zu jenen, die alles besser wissen, aber selber den Tatbeweis nicht erbringen können. Und Sie haben nicht einfach stur einen Königsweg verfolgt, sondern waren immer bereit, neue Erkenntnisse einzubauen und so eine Evolution in der Behandlung von Menschen mit fortgeschrittener Demenz zu ermöglichen.

Und so geht es uns als Paradies-Stiftung heute darum, Ihr Lebenswerk zu ehren, sehr geehrter Herr Schmieder. Wir tun dies im Bewusstsein, dass sie, obwohl sie die operative Leitung der Sonnweid abgegeben haben, noch längst nicht im Ruhestand sind und wir hoffentlich von Ihnen noch viel hören und lesen werden. Aber wir sind im Stiftungsrat einstimmig der Meinung, dass es wirkungsvoller ist, das Lebenswerk von Menschen zu ehren, die noch aktiv sind und nicht zu warten, bis die Geehrten die Laudation nicht mehr hören können und auch keine Verwendung mehr für das Preisgeld haben …   Lassen Sie mich, sehr geehrte Damen und Herren, diese kurze Laudation mit Zitaten beenden, die das Wirken und vor allem die Haltung von Michael Schmieder – wie ich finde – sehr treffend zusammenfassen:

So schrieb Ruth Haenert 2016 in der NZZ: «Mit Humor, Hartnäckigkeit, Feingefühl und einer Spur Anarchie hat er den Umgang mit Demenzkranken professionalisiert. Im Zentrum der Pflege steht für ihn die Authentizität der Kranken.» Und: «Da Demenz noch nicht heilbar ist, geht er den Weg, das Unabänderliche zu akzeptieren und auch zuzulassen.»

Und der Tages Anzeiger meinte vor zwei Jahren: «Michael Schmieder hat die Sonnweid in Wetzikon zu einem führenden Demenzzentrum Europas gemacht und dabei das Wichtigste nie vergessen. Menschen mit Demenz haben die gleichen Bedürfnisse wie Menschen ohne Demenz. Sie brauchen Licht, Bewegung, Gesellschaft, Sicherheit, Respekt und Wertschätzung.»

Ihnen, lieber Herr Schmieder, danken wir, dass Sie in den letzten Jahrzehnten zahlreichen dementen Menschen geholfen haben, diese Bedürfnisse trotz ihrer Krankheit befriedigen können. Wir zeichnen Sie mit unserem Preis für Ihr Lebenswerk aus!

www.sonnweid.ch »

Stiftung Marai, Grabs   |   Anerkennungspreisträger

Stiftung Marai, Grabs   |   Anerkennungspreisträger

Rede von Fritz Frischknecht anlässlich der Preisverleihung der Paradies-Stiftung für soziale Innovation am 6. November 2017 in Zürich

WÜRDIGUNG STIFTUNG MARAI

Sehr geehrte Frau Raimann
Sehr geehrte Damen und Herren

Als meine Gattin und ich die Tagesstätte für Menschen mit Demenz in Grabs besuchten, trafen wir zu früh ein. Vom Küchentisch aus konnten wir beobachten, wie herzlich die Angestellten untereinander und mit den Patienten umgingen. Und alle machten einen entspannten, glücklichen Eindruck.

Das Geheimnis des Erfolgs der Stiftung Marai liegt wohl auch darin, dass die Stiftung das Wohl der demenzkranken Menschen ins Zentrum stellt und deshalb doppelt so viel Personal einsetzt wie vom Staat vorgesehen. Dazu zählen auch freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit den Betreuten zum Bespiel basteln oder im Garten spazieren.

Margrit Raimann hat 2009 mit eigenem Geld eine Tagesstätte für Demenzkranke gegründet, weil es dieses Angebot in der Region nicht gab. Aus demselben Grund schuf sie eine Fachstelle Demenz und überzeugte die umliegenden Gemeinden, diese mitzufinanzieren.

Nach zwei Jahren stand die Stiftung trotzdem vor dem Aus. Eine unerwartete Spende einer lokalen Firma bewog den Stiftungsrat aber, auf seinen Schliessungsentscheid zurückzukommen.

Weil Frau Raimann zunehmend ein ungutes Gefühl hatte, wenn sie den Angehörigen ihrer Tagespatienten einen festen Pflegeplatz empfehlen sollte, kaufte die Stiftung im Jahr 2013 ein altes Haus in Trübbach. Dies war nur möglich dank der finanziellen Unterstützung eines Freundes. Unter der Leitung von Herrn Raimann wurde das Haus in Trübbach zu einem Pflegeheim umgebaut. Dort leben inzwischen die dementen Menschen in Wohngruppen und wirken – wie wir uns überzeugen konnten – sehr zufrieden.

Es gibt zweifellos noch viele Institutionen in diesem wichtigen Bereich, die Auszeichnungen verdienen würden. Wir haben uns entschieden, der Stiftung Marai – stellvertretend für all diese – einen Anerkennungspreis von 30 000 Franken zu verleihen und damit Frau Margrit Raimann und ihrem Team für die grossartige Arbeit zu danken, die sie tagtäglich für demente Menschen leisten.

www.wiitsicht.ch »

PREISTRÄGER 2015

Prof. Dr. med. Ruedi Lüthy, für sein Lebenswerk   |   Hauptpreisträger

Prof. Dr. med. Ruedi Lüthy, für sein Lebenswerk   |   Hauptpreisträger

Würdigung von Prof. Ruedi Lüthy durch Prof. em. Felix Gutzwiller

Es ist mir eine grosse Ehre und Freude, am heutigen Tag den Pionier Prof. Ruedi Lüthy zu ehren.

"Pionier" ist hier ist der richtige Begriff, denn wie ein roter Faden zieht sich durch das Leben von Ruedi Lüthy die Tatsache, dass er immer wieder neue Herausforderungen angenommen hat-Herausforderungen, die nicht unbedingt vorgezeichnet waren und alle damit zu tun haben, das Leid seiner Mitmenschen zu mildern – eine-wenn nicht die- zentrale ärztliche Tätigkeit.

Ruedi Lüthy, am 17. Februar 1941 geboren, hat von 1961 bis 1969 das Medizinstudium an der Universität Zürich absolviert. Früh begann er sich für die Infektiologie zu interessieren, für die Lehre der übertragbaren Krankheiten. Er war denn auch Gründer und Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsspital Zürich von 1976 bis 1997 (gegründet unter der weitsichtigen Leitung von Professor Walter Siegenthaler). Die akademische Karriere von Ruedi Lüthy war damit vorgezeichnet.

Dann aber kam der 5. Juni 1981. Das amerikanische Gesundheitsamt CDC veröffentlichte vor 34 Jahren in seinem wöchentlichen Bulletin MMWR die ungewöhnliche Beobachtung von fünf Patienten mit einer speziellen Lungenentzündung. Niemand dachte nach dieser kurzen Notiz daran, dass diese fünf Patienten den Ursprung einer neuen und ganz besonderen Epidemie darstellen könnten. Von den Medien blieb die Notiz beinah unbeachtet. Doch dann wurde auch in der Schweiz ein erster Fall registriert (1982). Ruedi Lüthy realisierte schnell, dass damit eine weltweite Herausforderung entstanden war und setzte sich intensiv mit der Testung, sowie der medikamentösen Therapie der neuen Krankheit auseinander. Zudem stellte er bald fest, dass nur eine koordinierte Forschungsanstrengung und ein Zusammenführen der Fälle dazu führen würden, dass neue Therapien zügig ausgetestet werden konnten. Damit war die Schweizerische HIV Kohorte (SHKS) geboren, deren Gründer und erster Präsident Ruedi Lüthy wurde.

Heute ist diese Forschungsinfrastruktur mit zurzeit über 16,000 Patienten weltweit anerkannt für ihre Beiträge zum Wissen über HIV und Aids. Zudem verstand Lüthy, dass eine Epidemie wie HIV nicht nur mit rein medizinischen Maßnahmen anzugehen war. Die vom Bundesamt für Gesundheit und der Präventivmedizin entwickelten Public Health Konzepte wurden deshalb zusammen mit den Testungs-und Therapieansätzen in einer Gesamtstrategie zur Bekämpfung von HIV /Aids gebündelt, die im Aufgabenbereich der eidgenössischen Kommission für Aidsfragen zu liegen kam. Lüthy präsidierte diese Kommission von 1991 bis 2000.

Rasche Fortschritte in der Bekämpfung der Krankheit wurden zum Glück möglich. Allerdings starben in den achtziger Jahren, vor den ersten Behandlungsmöglichkeiten, viele Menschen. Ich zitiere Lüthy: "eine Krankheit aus dem Nichts, von der vor allem Homosexuelle betroffen waren und die mit einem sozialen Stigma verbunden wurde. Damals gab es keine Behandlung. Ich musste tatenlos zusehen, wie Menschen starben". Die Umgebung der Akutklinik war für diesen Sterbeprozess oft auch junger Menschen nicht ideal. So ergaben sich für Lüthy die nächste Herausforderung und die nächste Pioniertat. Er gründete mit anderen zusammen das Zürcher Lighthouse. Er begleitete diese Einrichtung von 1988-1998 als ärztlicher Leiter. Aufgrund der Entwicklung wirksamer Therapien ergaben sich auch hier bald Änderungen. Heute ist das Lighthouse eine respektierte Institution der Palliativen Versorgung."Palliare" heisst ja "den Mantel umlegen", in Abgrenzung und Ergänzungen also zum "curare",dem heilenden Ansatz der Schulmedizin.

Im Blick auf diesen schon damals außerordentlich eindrücklichen Werdegang wird klar, weshalb der nächste Schritt, die nächste Pioniertat, beinahe als logische Fortsetzung erscheint. Die Ausdehnung seiner Tätigkeiten nämlich dorthin, wo die Schwächsten Hilfe und Unterstützung benötigen. Eine Ärztin aus Simbabwe hatte Lüthy an einem Aids-Kongress im Jahre 2002 um Hilfe für dieses Land angefragt. Schon 2003 reiste Lüthy nach Simbabwe, um in Harare eine ambulante HIV Klinik und ein Referenzlabor aufzubauen. Diese "Newlands Clinic" ist seit März 2004 im Betrieb und wird von allem aus Spendengeldern finanziert, die der von Lüthy 2003 gegründeten Stiftung Swiss Aids Care International zukommen. Im vergangenen Jahr hat Lüthy die Leitung der Klinik an Matthias Widmaier übergeben. Zurzeit werden rund 5500 mit dem HIV Virus infizierte, meist mittellose Patientinnen und Patienten behandelt. Das Team in der Klinik besteht aus 65 einheimischen Mitarbeitern. Zudem besteht seit 2009 ein Ausbildungszentrum, von Ruedi Lüthy initiiert, an dem jährlich 500 einheimische Ärzte und Pflege-Fachleute unterrichtet werden. Wie dieser kurze Rückblick zeigt, hat Ruedi Lüthy ohne Zweifel sein medizinisches Wissen, sein ganzes „Arzt-Leben in den Dienst der Schwachen“ gestellt, wie die NZZ kürzlich titelte. Dabei hat er stets als Pionier gewirkt und seine Tätigkeiten immer darauf ausgerichtet, wo die Bedürfnisse und Herausforderungen am größten waren. Er selber hat sich dabei nie in den Vordergrund, sondern immer in den Dienst der Sache gestellt.

Umso mehr freut es mich, dass Ruedi Lüthy heute mit dem Preis der Stiftung Paradies die wohl- verdiente Ehrung erfährt.

www.swissaidscare.ch »

Aids Hilfe Schweiz, Zürich   |   Anerkennungspreisträger

Aids Hilfe Schweiz, Zürich   |   Anerkennungspreisträger

Aids bleibt auch in der Schweiz ein Thema

Dank der grossen medizinischen Fortschritte ist Aids hierzulande weniger sichtbar als noch vor zwei Jahrzehnten. Viele der Betroffenen können dank der modernen Aids-Medikamente trotz ihrer Krankheit ihren Alltag gut bewältigen. Vor diesem Hintergrund könnte leicht der Eindruck entstehen, die Aids-Krankheit sei in der Schweiz im Griff und eigentlich vor allem noch ein Problem in Entwicklungsländern.

Dieser Eindruck täuscht. Auch in der Schweiz ist die Zahl der jährlichen Ansteckungen mit dem HIV-Virus nach wie vor hoch. Darum ist es entscheidend, dass durch Information und Aufklärung weiterhin alles unternommen wird, um gegen diese Krankheit anzukämpfen und gezielt auf Risiken hinzuweisen. Mit ihren Präventionskampagnen leistet hier die Aids-Hilfe Schweiz ausgezeichnete Arbeit. Dafür erhält sie den Anerkennungspreis der Paradies Stiftung.

www.aids.ch »

PREISTRÄGER 2013

Martin Stiftung, Erlenbach   |   Hauptpreisträger

Martin Stiftung, Erlenbach   |   Hauptpreisträger

Mit ihren 132 Wohnplätzen, 85 Arbeitsplätzen und 50 Tagesstrukturplätzen gehört die Martin Stiftung im zürcherischen Erlenbach zu den grossen Einrichtungen im Behindertenbereich. Die damit verbundenen Leistungen werden von rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erbracht. Das entspricht knapp 160 Vollzeitstellen. Die daraus resultierenden Kosten liegen bei jährlich rund 20 Millionen Franken.

Schon früh hat die Martin Stiftung die altersbedingte Entwicklung von Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung erkannt und mit differenzierten Angeboten darauf reagiert. Entscheidend war und ist der Grundsatz, dass Menschen, die in der Martin Stiftung leben und arbeiten, auch nach ihrem Ausscheiden aus der Beschäftigung in ihrer gewohnten Umgebung in Erlenbach bleiben – und dies bis zu ihrem Tod. In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Martin Stiftung ihr Konzept für die Betreuung, Förderung und Begleitung ihrer Seniorinnen und Senioren kontinuierlich ausgebaut und an neue Gegebenheiten angepasst. Heute sorgt sie mit interdisziplinären Teams im Wohnbereich und in der Tagesstruktur dafür, dass Seniorinnen und Senioren individuell und ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprechend betreut werden und so diese Lebensphase mit Freude geniessen können. – Aktuell sind übrigens zur Zeit rund 20 Bewohnerinnen und Bewohner der Martin Stiftung älter als 60 Jahre.

Einen wichtigen Schritt machte die Institution im Jahr 2011 mit der Verabschiedung eines Senioren-Leitbilds. Das Leitbild wurde von Team-Mitgliedern diverser Abteilungen im Senioren-Bereich erarbeitet. Das Leitbild hält fest, dass die traditionelle Trennung zwischen Wohn- und Arbeits- respektive Tagesstrukturangeboten aufgehoben werden muss. Dieses Vorhaben hat die Martin Stiftung im Januar dieses Jahres umgesetzt.

Der Stiftungsrat der Paradies-Stiftung würdigt die vorbildliche, innovative Arbeit der Martin Stiftung im Bereich der Betreuung und Förderung älterer Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und verleiht ihr dafür den Hauptpreis 2013. | www.martin-stiftung.ch »

Sensler Stiftung für Behinderte, Tafers   |   Anerkennungspreisträger

Sensler Stiftung für Behinderte, Tafers   |   Anerkennungspreisträger

Als die Stiftung 1985 gegründet wurde, stand die Eröffnung von Werkstätten und das Bereitstellen von Arbeitsplätzen im Vordergrund. Selbstverständlich mussten auch im ländlichen Raum Wohnmöglichkeiten aufgebaut werden. Heute, 2013, ist auch das „Wohnen im Alter“ ein selbstverständlicher und beeindruckender Teil des Angebotes.

Vor einem Jahr konnte das Haus „Wohnen im Alter“ eröffnet werden. Hier leben erwachsene IV-Bezüger/innen, die als Mitarbeitende pensioniert oder frühpensioniert werdenund ermöglicht den Verbleib in der gewohnten Umgebung auch nach der Pensionierung. Im Erdgeschoss des Neubaus befindet sich ein Café mit Terrasse. Es stehen Wohnungen mit Einzelzimmern zur Verfügung; davon können zwei für Ehepaare erweitert werden. Alle Zimmer sind belegt.

In den 70er Jahren entwickelten in den NL ein Beschäftigungs- und ein Musiktherapeut das Konzept eines Snoezelraums. Wie erinnern uns: an der letzten Preisverleihung für die Selbsthilfe von hör- und mehrfachbehinderten Kindern, haben wir den Begriff kennengelernt. Es handelt sich um ein Angebot, das gerade für Menschen mit Mehrfachbehinderungen einen grossen Gewinn bringt. Der Begriff Snoezelen, ausgesprochen als Snuselen, ist eine Verbindung der beiden holländischen Wörter „snuffelen“ und „doezelen“. Es werden in einem überwiegend weissen Raum Geräte und Elemente installierte, die verschiedene Sinnesempfindungen auslösen. Die Wirkung kann sowohl entspannend, als auch aktivierend sein. Die Palette der Materialien, die zum Snoezelen verwendet werden können, ist unerschöpflich. Anzutreffen sind etwa ein Wasserbett, Tastplatten, Aromaverbreiter, Windspiele, Klangschalen, Glocken…

Die Stiftung hat in all den Jahren ihre Arbeit für Menschen mit Behinderung kompetent, weitblickend und mit Sorgfalt geplant. Dank der finanziellen Unterstützung auch des Kantons konnte das Projekt in dieser Qualität realisiert werden. Es zeigt, dass mit viel Engagement auch in ländlichen Raum professionelle Arbeit und eine hohe Lebensqualität für die Menschen erreicht werden kann. Dafür danken wir und gratulieren herzlich. | www.ssb-tafers.ch »

Stiftung San Gottardo, Lopagno   |   Anerkennungspreisträger

Stiftung San Gottardo, Lopagno   |   Anerkennungspreisträger

Die Stiftung San Gottardo, Lopagno wurde 1996 in Lugano gegründet. Sie stellt für rund 100 Personen jeden Alters mit Behinderungen ein vielfältiges Wohnangebote bereit: betreute und nicht betreute Wohnungen, Foyer für die Freizeitgestaltung, Tagesstrukturen und auch betreutes Arbeiten in Landwirtschaftsbetrieben in der Region Lugano. Seit 2009 werden zusätzlich 30 Personen mit Behinderungen betreut, die älter sind als 60.

Wie in vielen Einrichtungen ist das Ziel, eine möglichst grosse Autonomie der Menschen zu erreichen und diese dann zu stärken. Gerade aber im Alter bedeutet Autonomie nicht immer Unabhängigkeit sondern sich in einem Netzwerk von Beziehungen zu bewegen. Das zu lernen und im Alltag zu bewältigen, ist eine lebenslange Aufgabe.

Was uns besonders beeindruckt hat, ist das Ausbildungskonzept zum Thema „Personen mit Behinderungen und das Alter“. Auf dem Programm etwa steht als Lehrfach: Lernen von den Bedürfnissen der älter werdenden Bewohner/innen, d.h. 14 Personen mit Behinderungen zwischen 22 und 73 Jahren und die Mitarbeitenden arbeiten gemeinsam an der neuen Struktur. Um zu begreifen, was sich durch den Alterungsprozess bei den Bewohner/innen verändert und wie diese Veränderungen aufgenommen werden können, werden Praxiserfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnissen verbunden. Gleichzeitig reflektieren die Fachleute auch ihr eigenes Verhalten in ihrer täglichen Arbeit sowie ihre persönliche Entwicklung als Pflegende.

Im Zentrum steht die Lebensqualität der älter werdenden Bewohner/innen mit Behinderungen; sie haben die ganze Aufmerksamkeit, je individuell, mit ihrem Stärken und Schwächen. Kategorisierungen und Schematisierungen soll es nicht geben. Zudem debattiert die Stiftung auch ethische Fragen sehr aufmerksam. Die Haltung, die dabei zum Ausdruck kommt, ist für alle Menschen zu wünschen: Respekt und Würde, wie autonom oder abhängig eine Person auch ist. | http://fsangottardo.ch »

Association Saint-Camille, 1723 Marly   |   Anerkennungspreisträger

Association Saint-Camille, 1723 Marly   |   Anerkennungspreisträger

Die Association Saint-Camille wurde 1961 gegründet. Heute beschäftigt sie 400 Personen, aufgeteilt in Mitarbeitende mit Behinderungen und Fachmitarbeitende in den Wohn- und Arbeitsbereichen in den Ateliers in Marly und Villars-sur-Glâne. Speziell im Zentrum steht hier das Foyer in Marly. Hier leben permanent 31 Personen, die nicht mehr ohne Hilfe und Unterstützung leben können. Die Personen sind zwischen 45 und 82 Jahre alt, 18 davon sind AHV-Bezüger/innen, die pensioniert sind.

Für sie wurde das Projekt Méli-Mélo entwickelt. , Es bietet eine Fülle von Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Personen, die das AHV-Alter erreicht haben und nicht mehr arbeiten können, sollen weiterhin im Foyer leben, ihre Fähigkeiten möglichst erhalten, eine Tagesstruktur mit Wahlmöglichkeit und gute Lebensqualität haben.

Im Einvernehmen mit den Mitarbeitenden und den Bewohner/innen ist ein umfassenden Angebot entstanden wie beispielsweise:

- Lautes Vorlesen
- Spiele
- Musikhören
- Backen, Kochen
- Bewegungsangebote
- auch Angebote zur Schulung des Gedächtnis

Die Bewohner/innen nennen das Atelier Méli-Mélo in Anlehnung an einen Gemischwarenladen. Méli-Mélo stösst auf grosses Interesse: Die älter werdenden Personen sind eingebunden in die Planung, können wählen, selbst entscheiden, ihre Wünsche verwirklichen. Ihre Kreativität scheint sich fast grenzenlos zu entwickeln. Für das Atelier braucht es Material, Zeit, Personal, - wir hoffen, dass unser Preis dazu einen Beitrag leisten kann und wünschen dem „Gemischtwarenladen Méli-mélo“ weiterhin begeisterte „Kundinnen und Kunden“! | www.association-st-camille.ch »

PREISTRÄGER 2011

CAP-Contact Association, Lausanne

CAP-Contact Association, Lausanne

Les personnes handicapées sont bien souvent confrontées à des obstacles inattendus. Mais plus qu’autrefois elles sont aujourd’hui en mesure de les surmonter ou de les éviter. CAP- Contact a été fondé en 1988. Il poursuit son action avec intensité et crédibilité. Son but prioritaire est toujours de soutenir les personnes handicapées qui luttent pour vivre dignement, de façon autonome et indépendante. Cela concerne le choix du logement. Les personnes avec handicap grave ont besoin d’assistance et ont également le droit de rester chez elles si elles le désirent. FAssiS, le Centre Assistance Suisse, s’est fortement engagé pour que ce droit soit reconnu et que de plus en plus de personnes handicapées puissent en profiter. Il s’agit d’une part d’améliorer la qualité de vie et d’autodétermination de ces personnes et d’autre part de développer un partenariat entre ces personnes handicapées et celles qui veulent ou souhaitent les assister. «CAP-Contact» intervient aussi dans le monde du travail pour améliorer la situation des personnes handicapées. Les occupations, les emplois aujourd’hui ne sont pas satisfaisants. Mais attention, il ne s’agit pas de définir «ce qui est encore possible» mais plutôt d’évaluer, de développer et de soutenir les aptitudes, les capacités et les chances des personnes handicapées sur le marché de travail. CAP-Contact est en train de créer des nouvelles possibilités dans cette perspective. Les projets de CAP-Contact sont formulés et réalisés par des personnes avec handicap ce qui le différencie d’autres organisations qui se targuent de pratiquer l’aide à l’entraide. CAP-Contact est une petite organisation mais qui a une présence publique impressionnante et qui sait utiliser le networking avec intelligence. | www.cap-contact.ch »

Fragile Suisse, Zürich

Fragile Suisse, Zürich

Junge Menschen brauchen die social medias. Was für die jungen gesunden Menschen gilt, gilt umso intensiver für Menschen mit einem Handicap, insbesondere einem Handicap, das die Kommunikation beeinträchtigen kann. Junge Menschen mit einer Hirnverletzung sind solche Menschen. Sie wollen kommunizieren, sie wollen sich mitteilen, Kontakte knüpfen, hier und in der Nähe aber auch weltweit und rund um den Globus. Das ist schnell gesagt, für die Realisierung aber braucht es viel. Junge Menschen mit einer Hirnverletzung, die durch Schädelhirntrauma, Krankheit, Tumor, Hirnschlag oder Sauerstoffmangel entstanden sein kann, sollen sich zu Themen wie Freundschaft, Beziehungen, Erwachsenwerden, aber auch zu Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten selbstbestimmt austauschen können. Es wird geschätzt, dass mehrere tausend hirnverletzter Menschen in der Altersgruppe 18 - 40 an dieser spezifischen Form der Selbsthilfe interessiert sind. Fragile Suisse hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten drei Jahren mit viel Engagement für junge hirnverletzte Menschen visuelle und physische Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, die ihnen solche Kontakte ermöglichen. Zwei Selbsthilfegruppen sind mit grosser Euphorie gestartet; doch wie so oft kommen sie an ihre Grenzen. Wir freuen uns, dass unser Beitrag die angefangenen hoffnungsvollen Wege stärken und ihnen materiell Schub geben kann, damit in Zukunft die virtuellen und tatsächlichen Begegnungen zwischen den betroffenen hirnverletzten jungen Menschen immer selbstverständlicher werden. | www.fragile.ch »

Visoparents, Dübendorf

Visoparents, Dübendorf

Kinder sind mit Reizen überflutet. Klänge, Lärm, Düfte, Schwingungen – alles prasselt auf sie herein. Was für die Kinder, die robust im Leben stehen, schon oft an die Grenze der Belastbarkeit führt, ist für Kinder mit Sehbehinderungen jeder Abstufung bis zur vollständigen Blindheit, für Kinder mit zerebralen Behinderungen und epileptischen Anfällen und für autistische Kinder oft unerträglich. Es ist für Visoparents ein grosses Anliegen, in der Betreuung stetige Weiterentwicklung zu schaffen. Aus diesem Grund ist das Projekt eines «Snoezelen Raums» entstanden. Der Begriff kommt aus dem Holländischen und ist der Zusammenzug zweier Begriffe, nämlich snuffelen (schnüffeln) und doezelen (dösen). Der «Snoezelen Raum» ist ein Ort, wo sich blinde, schwer- und mehrfach-behinderte sowie autistische Kinder optimal erholen können. Diese Räumlichkeiten müssen nach bestimmten Kriterien eingerichtet werden. Geeignetes Licht, Düfte, Musikklänge und Liegemöglichkeiten tragen dazu bei, dass diese Kinder einen Moment der Entspannung erleben.

Auch wenn die Eltern einen monetären Beitrag leisten und vom Bundesamt für Sozialversicherungen ein Betrag pro Kind erhältlich ist, braucht es zusätzliche Mittel für die geplanten Anschaffungen. Wir freuen uns, dass wir diesem Projekt Unterstützung geben können. Denn mit diesem Ruhe- und Entspannungsraum können die Kinder nicht nur gezielt gefördert werden, sie erhalten auch eine Abwechslung, wir schenken ihnen Freude und Erholung. So können sie die Kraft und die Konzentration steigern, was für ihre Entwicklung zentral ist. | www.visoparents.ch »

PREISTRÄGER 2009

IPT Intégration Pour Tous, Vevey

IPT Intégration Pour Tous, Vevey

Les entreprises sociales dirigées selon les lois du marché: une chance pour l’insertion des personnes
C’est pour moi une joie immense de prononcer aujourd’hui ce discours en l’honneur d’une fondation qui existe déjà depuis 35 ans, mais qui n’a rien perdu de sa capacité d’innovation, bien au contraire. Aujourd’hui encore, la fondation «Intégration pour tous» est à l’origine d’idées décisives pour continuer à améliorer l’intégration des personnes sur le marché du travail, dans les grandes, les moyennes et les petites entreprises. Je n’évoquerai ici que le projet, initié par IPT, qui offre à de jeunes diplômés les outils nécessaires pour prendre un bon départ professionnel et s’insérer efficacement dans le monde du travail.

IPT, et c’est impressionnant, n’a pas commis l’erreur, en tant qu’entreprise active sur le plan social, d’entrer en concurrence ni en opposition avec l’économie et le marché. Au contraire: d’emblée, le concept d’«Intégration pour tous» consistait à favoriser la réinsertion du plus grand nombre de personnes possible en collaboration étroite avec le milieu des employeurs. Cette idée s’est révélée convaincante, car ce modèle profite à tous ceux qui y participent. Grâce à IPT, de nombreuses personnes retrouvent un accès au monde du travail. Au bout d’un an, 75 % des personnes placées sont encore en emploi – et au bout de deux ans, ce taux s’élève encore à 70 %. Ce succès est bien plus important que celui d’autres institutions, et montre à quel point IPT accomplit sa mission avec sérieux – y compris en collaboration étroite avec des médecins et d’autres spécialistes. Les entreprises qui collaborent avec IPT trouvent par ce biais du personnel motivé. Enfin, le travail d’IPT est bien entendu aussi d’un grand bénéfice pour la société, c'est-à-dire pour nous tous, puisqu’il contribue à réduire nettement et durablement les coûts des charges sociales et de l’aide sociale.

André Hoffmann

www.fondation-ipt.ch »

Stiftung für Arbeit, St. Gallen

Stiftung für Arbeit, St. Gallen

Marktwirtschaftlich geführte Sozialfirmen als Chance
Manchmal hat man Glück im Leben: Nur wenige Tage, bevor ich den Text für diese Laudatio zu schreiben hatte, schreiben durfte, erschien das Buch. Unter dem Titel „Sozialfirmen: Plädoyer für eine unternehmerische Arbeitsintegration“ beschreiben darin Daniela Merz und Lynn Blattmann nicht nur den Weg der St. Galler Stiftung für Arbeit zur heutigen Dock-Gruppe, die in vier Tochterfirmen in St. Gallen, Arbon, Zürich und Winterthur über 700 Menschen beschäftigt und damit zu den wichtigsten Trägern der Arbeitsintegration in der deutschen Schweiz gehört. Nein, sie definieren in diesem Buch auch klar und eindeutig, mit welcher Unternehmensphilosophie sie die Stiftung für Arbeit zum Erfolg geführt haben. Ich zitiere: „Um den Herausforderungen der Langzeitarbeitslosigkeit sinnvoll begegnen zu können, braucht es Unternehmen, die marktwirtschaftlich ausgerichtet sind und die eine langfristige arbeitgeberische Verantwortung für die langzeitarbeitslose Belegschaft übernehmen können. Dies setzt reelle Kunden und Aufträge voraus. Arbeit, die gebraucht wird, und ein leistungsgerechter Lohn sind wichtige Voraussetzungen für die Stärkung der Eigeninitiative. Diese soll auch der Kernpunkt einer Sozialfirma sein, wie wir sie propagieren.“

Diesen Aussagen kann ich mich vollumfänglich anschliessen. Sie fassen das zusammen, was ich in meiner langjährigen Tätigkeit für die Sozialhilfe, aber auch in den Leitungsgremien verschiedener Stiftungen in der Praxis erlebt habe.

Respekt, Frau Merz! Respekt für die beeindruckende Leistung, die Sie, Ihre Geschäftsleitung und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen. Ihr unternehmerisches Handeln, Ihr sozialpolitisches Credo, Ihr Mut und Leistungswille: dies alles ist bemerkens- und bewundernswert. Ich freue mich darum auch persönlich, dass die Stiftung Arbeit zu den ersten Preisträgern unserer, „meiner“ Stiftung gehört. Die Dock-Gruppe verkörpert auf besondere Weise den Grundsatz, der mich seit drei Jahrzehnten dazu antreibt, selber sozialpolitisch tätig zu sein: Es genügt nicht, soziale Probleme zur Kenntnis zu nehmen und zu bedauern. Es braucht – vorzugsweise – private Eigeninitiative, klare Visionen und vor allem Hartnäckigkeit, bei allen Widerständen nach praktischen Lösungen zu suchen und diese auch umzusetzen. Dass es sich bei solchem Handeln immer um den berühmten „Tropfen auf den heissen Stein“ handelt, darf uns davon nicht abhalten, im Gegenteil. Vor allem dann, wenn es sich – wie im Beispiel der Stiftung für Arbeit – bereits um einen beachtlich grossen Tropfen handelt.

Urs Lauffer

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Paradies-Stiftung für soziale Innovation · Haus zum Paradies · Postfach 373 · CH-8024 Zürich
Telefon: 044 254 60 34 · Fax: 044 254 60 35 · info@paradies-stiftung.ch